Fräulein Vino macht Ernst – Episode I

Auf los geht´s los…

Warum treibt sich das Fräulein Vino bloß ständig auf Weingütern, Weinmessen und Weinevents herum? Diese oder eine ähnliche Frage stellte sich der ein oder andere Leser eventuell bereits. Auch gefragt wurde das Fräulein Vino schon danach. Hier die Auflösung…

Das Fräulein Vino eröffnet Mitte Mai einen Concept Store für Wein und Möbel in der Brodtischgasse 28 in Wiener Neustadt (Niederösterreich). Aus diesem Grund kostete es sich in den letzten Wochen vom Weinviertel über Wien und Carnuntum bis ins Burgenland und in die Steiermark um ein überschaubares aber sehr feines Weinsortiment auszuwählen. Der etwas andere Weinladen wird den klingenden Namen „Delicius“ tragen. „Delicius“ stammt aus dem Lateinischen und steht für Freude, Spaß und Vergnügen, genussbereitende Tätigkeiten und Kunstraritäten. Das Geschäftskonzept wäre somit auch gleich erklärt.

IMG_2295
Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Papierkram über Papierkram.

In Fräulein Vinos Store wird man vorerst Wein und Schaumwein aus Österreich finden. Dazu wird passende Feinkost wie burgenländischer Prosciutto, feiner Käse, erlesene Pesti und verführerische Schokolade kredenzt. Um nur ein paar Köstlichkeiten zu nennen. Praktische und ausgefallene Weinaccessoires und Geschenkideen runden das ausgewählte Angebot ab. Präsentiert werden die Köstlichkeiten auf Designmöbel aus Niederösterreich (www.b-bros.at). Der Clou daran? Von der Weinflasche über den Korkenzieher bis hin zur schicken Kommode – gekauft werden kann alles was gefällt im Shop.

IMG_2289
Not macht erfinderisch. Die Auslage wurde kurzerhand zur Verkostungsecke umgewandelt.

Überschaubar, aber umfangreich wird es sein das Sortiment in Fräulein Vinos „Delicius“. Jedes Produkt wurde vorab sorgfältig verkostet und für fabelhaft befunden. Angeboten wird keine Massenware, sondern Produkte die Geschichten erzählen können. Auf kompetente und ausführliche Beratung wird besonderes Augenmerk gelegt und da bekanntlich „probieren über studieren“ geht, darf auch alles gekostet werden. 🙂

Fräulein Vino informiert sich- Episode III

Eines für Alle

Im Rahmen eines Weinseminars an der Weinakademie Rust frisch ich gerade mein Weinwissen auf. In der letzten Lehreinheit nahmen wir das Thema „Umgang mit Wein“ vor. Ein Punkt dieser Thematik war die richtige Auswahl des Weinglases, denn „die Wahl des richtigen Glases ist von essentieller Wichtigkeit“ wurden uns eingebläut.

Laut Skriptum soll beispielsweise das passende Glas zum Trinken von Jungwein am oberen Rand ausgelippt sein. Der Erstkontakt mit der köstlichen Flüssigkeit findet somit auf der Zungenspitze statt. Frucht wird betont, Säure weitgehend neutralisiert. „Passen sie die Form des Glases den Charakter des Weines an“, empfiehlt ein Ratgeber von Ambrosi und Swoboda. Demnach sollte beispielsweise Burgunder in bauchigen Gläsern kredenzt werden. Frischer Riesling hingegen fühlt sich besonders in eiförmigen Designs wohl. Die richtige Auswahl des Glases ist meiner Meinung nach eine Wissenschaft für sich. Seitenweise könnte ich ihnen nun erzählen, welches Glas zu welchem Wein kombiniert werden soll. Mir persönlich ist das zu kompliziert und vor allem zu langweilig. Der Genuss von Wein soll Freude bereiten und nicht in Arbeit ausarten. Aus diesem Grund war ich sehr dankbar über einen tollen Tipp einer Ruster Winzerin, den ich an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte.

275_1332233684
Welches Glas passt zu welchem Wein? Quelle: http://www.guteküche.ch

Bei einem gemütlichen Gespräch und einem Achterl Wein empfahl sie mir die Weingläser von René Gabriel. Das geniale daran? Einzigartiges Design ermöglicht es sowohl Weißwein, als auch Rotwein und Schaumwein aus diesem Glas zu genießen. Wie genau das funktioniert zeigt folgendes Video:

Doch das beste Glas ist wertlos wird es nicht richtig gepflegt. Darauf sollten geachtet werden:

  • Zum Reinigen parfümfreies Spülmittel verwenden, mit kaltem Wasser spülen
  • Geruchsfreie Poliertücher verwenden (Achtung: Waschmittel und Weichspüler)
  • Geruchsneutraler Aufbewahrungsort

Ein Gabriel-Glas ist um rund 17,50 Euro unter www.gabriel-glas.com erhältlich. Meine Bestellung wird in den nächsten Tagen raus gehen. Ich freue mich schon jetzt auf unkomplizierten Weingenuss!

Quellen:
Weinakademie Österreich GmbH, Skriptum „Basisseminar & Österreichsiches Weintutorium“
Ambrosi, H. und Swoboda, I. (1995): Wein richtig genießen lernen – Einführung in die Weinsensorik
http://www.gabriel-glas.com

Fräulein Vino on Tour – Episode VI

Der weiße Rote

Die ersten Sonnenstrahlen wurden genutzt um einen Ausflug ins Grüne zu tätigen. Zum Ziel wurde ein regionaler Schmankerlmarkt im Burgenland. Gemüse, Brot, Wurst und Co waren schnell abgehandelt. Was wirklich interessierte war die Weinkarte des anwesenden Winzers. Weißer „Zweigelt – Blanc de Noirs“ war darauf zu finden. Für mich ein spannendes Novum, welches genauerer Betrachtung bedurfte.

Der Begriff „Blanc de Noirs“ stammt aus dem Französischen und bedeutet wörtlich übersetzt „ Weißer aus Schwarzen“. Um weißen Wein aus Rotweinsorten zu keltern muss der Winzer darauf achten, dass der weiße Saft der Trauben vor der Gärung von den roten Schalen getrennt wird. Besonders wichtig ist dabei die schnelle Verarbeitung von gesunden und unverletzten Traubenmaterial. Dieses Verfahren ist vor allem in Frankreich sehr verbreitet und kommt bei der Produktion von Champagner zum Einsatz. Weißgepresster Pinot Noir verleiht dem prickelnden Edelgetränk nämlich Gewicht und Körper. (www.wikipedia.org)

220px-Raisin_noir_à_jus_blanc
Großteils tragen Rotweinsorten ihre Farbstoffe in Beerenschale, der Saft der Beeren ist hingegen farblos.                            Quelle: http://www.wikipedia.org

Wer in den Genuss von weißgepressten Rotwein kommen möchte, muss weder tief in die Tasche greifen, noch nach Frankreich reisen. Erst neulich wurde ich zu einer Weinverkostung in die Thermenregion geladen, kredenzt wurde unter anderem weiß gepresster Zweigelt. Die Freude war groß!

Der weiße Rote vom Weingut Zöchling aus Teesdorf präsentierte sich halbtrocken im Glas, farbtechnisch kam er fast transparent daher. Auffällig zeigte sich das ausgeprägte fruchtige, blumige Aroma. Leichter verführerischer Trinkgenuss mit unschlagbaren Preis- Leistungsverhältnis. Ab Hof ist der besondere Rote um 5,50 Euro erhältlich.

VINO 1
2 Generation Herbert Zöchling                   Quelle: Weingut Zöchling

Doch nicht nur der weiß gepresste Zweigelt überzeugt. Mehr als 20 Weine umfasst das Sortiment des Weinguts Zöchling. Bewirtschaftet werden insgesamt 10 ha. „Bei uns arbeitet die ganze Familie mit. Jeder hat seine Aufgabe“, erzählt mir Herbert Zöchling Junior. Die Philosophie des Hauses erklärt er mir wie folgt: „Wir versuchen die Fruchtigkeit der Weine zu unterstreichen und die typischen Aromen heraus zu arbeiten.“

Weingut Zöchling Kochshow 1
Quelle: Weingut Zöchling

Wer sich durch die gut trinkbare und umfangreiche Palette durchkosten möchte, dem empfehle ich einen Besuch beim Heurigen der Zöchlings. Bis 22. April 2015 ist noch ausg´steckt!

Fräulein Vino entdeckt – Episode I

Rumänien im Glas

Mein lieber Theaterkollege Adrian brachte mir von seiner letzten Rumänienreise ein vinophiles Souvenir in Form einer Flasche Rotwein mit. „Fräulein Vino ich habe hier typischen Wein aus meiner Heimat für dich. Ich bin gespannt was du dazu sagst“, mit diesen Worten überreichte er mir die schön verpackte Flasche. Dass in Rumänien Wein produziert wird wusste ich, damit war mein Wissen über dieses Weinland aber auch schon zu Ende. Somit recherchierte ich mal ein wenig…

Rumänien blickt auf 6.000 Jahre Weingeschichte zurück und zählt zu den ältesten Weinbauländern Europas. Das Land im Osten Europas befindet sich auf demselben geographischen Breitengrad wie Frankreich. Klimatisch ist es nur schwer einzuordnen. Dafür verantwortlich sind die Karpaten die sich wie ein Schneckenhaus durch die Mitte des Landes ziehen. So prägen die Winde des Atlantiks das maritime Klima der Weinbauregion Siebenbürgen. Östlich der Karpaten herrscht kontinentales Klima, die Weinreben in diesem Teil des Landes sind kalten Strömungen aus der Ukraine ausgesetzt. Südlich der Karpaten werden die Weingärten vom mediterranen Klima beeinflusst. Das im Osten gelegene Weinland wird in acht Weinbauregionen unterteilt und produziert sowohl Weißwein als auch Rotwein.

map
                          Quelle: http://www.agroinform.com

Mein Mitbringsel, eine Flasche „Cardaca Reserve 2009“ vom Weingut „Wine Princess“ stammt aus „Miniş“, einem Weinbaugebiet in der Region „Crisana“ östlich von Ungarn. Die alte Rebsorte Kardaka hat ihren Ursprung in Mazedonien und ist eine wahre Diva unter den Reben. Sie stellt hohe Anforderungen an Boden und Klima, sowie an das Knowhow des Kellermeisters. Nicht verwunderlich, dass Anbauflächen mit Kardaka laufend abnehmen. Behandelt man sie jedoch richtig, können Weine aus den Kardaka- Trauben sehr hohe Qualität erzielen.

kadarka
Quelle: http://www.premiumromania.com

Der „Cardaca Reserve 2009“ präsentiert sich granatrot mit wässrigem Rand im Glas. Nach kurzem Schwenken strömen mir reife, fruchtige Noten entgegen die an eingelegte Rumtopffrüchte erinnern. Am Gaumen zeigt er sich würzig und fruchtig nach dunklen Beeren. Seinen Höhepunkt hat dieser Wein nach 6 Jahren bereits erreicht und sollte schon bald genossen werden. Erhältlich ist der Rote aus dem Osten um rund 14,50 Euro unter www.magazin.wineprincess.ro. In diesem Sinne „Prost“ oder wie der rumänische Weinliebhaber sagen würde „Noroc“.

wine-princess-cadarca-reserve-363x551
Quelle: http://www.magazin.wineprincess.ro

Quellen:
Johnson, H. und Robinson, J. (2007): Der Weinatalas, 6. Ausgabe
http://www.wikipedia.org
http://www.wineprincess.ro

Fräulein Vino on Tour – Episode V

Liebe auf den zweiten Blick

Shame on me! Doch bis dato konnte ich mit Süßwein nicht viel anfangen. Picksüß und klebrig hinterließen sie schlechten Eindruck bei mir. Das Thema Süßwein war für mich somit abgehakt. Doch dann lernte ich Winzerin Heidi Schröck kennen…

Bitterkalt war es, als ich im Februar dieses Jahres den malerischen Innenhof am Ruster Hauptplatz im Burgenland betrat. Heidi Schröck begrüßte mich mit einem strahlenden Lächeln und lud mich auf ein Glas köstlichen Weißburgunder in ihre gemütliche Verkostungsstube ein. Ganz bescheiden erzählte sie mir von den Anfängen ihrer beruflichen Karriere. Von ihrer Zeit als unerfahrene Praktikantin in Deutschland, ihren Erlebnissen als Weinkönigin und ihren Eindrücken, die sie auf einem Weingut in Südafrika sammeln durfte. Ich erfuhr, dass sie ihren Betrieb seit 1983 selbstständig führt, den Meister für Weinbau und Kellerwirtschaft absolvierte und sie das Jahr 1988 wohl niemals vergessen wird. Mit Unterstützung ihres Vaters hatte sie in diesem Jahr nämlich ihre erste Ernte eingefahren. Vor allem aber  hatte die Geburt ihrer Zwillinge das Jahr 1988 für die energiegeladene Winzerin unvergesslich gemacht.

Im Rahmen meiner Recherchen erfahre ich aber noch viel mehr über Heidi Schröck die sich zurückhaltend als „Weinbäuerin aus Rust“ bezeichnet. 2003 verlieh ihr „Falstaff“ den Titel „Winzer des Jahres“. Ihre Weine bewertete Robert Parker, Herausgeber des Magazins „Wine Advocate“, mit außergewöhnlich hohen Punktzahlen. Für die britische Weinkritikerin Jancis Robinson zählt sie zu den besten Winzerinnen weltweit. Ihre Süßweine findet man auf den Weinkarten der besten Restaurants von Japan über Skandinavien bis in die USA. Um nur einige Erfolge zu nennen.

heidi schröck 021 by steve haider 2014
Heidi Schröck – Weinbäuerin aus Rust, Foto: Steve Haider

Auf der „ProWein 2015“ in Düsseldorf hatte auch ich dann schließlich die Möglichkeit Heidi Schröcks Süßwein-Kollektion zu verkosten. „Mein Ziel ist es den Süßwein neu zu positionieren. Dass Süßwein gut zu Blauschimmelkäse und Desserts passt ist bereits bekannt. Doch Süßwein kann noch viel mehr, er ist ein ausgezeichneter Speisenbegleiter“, erklärt mir die sympathische Winzerin voll Enthusiasmus. Mein erster Kostschluck kombiniert mit passendem Fingerfood nimmt mich mit auf eine Reise durch Süße, Schärfe, Würzigkeit und Säure. Ich bin begeistert!

Weingut Schröck, Rust, Burgenland (A)
Süßwein-Kollektion, Foto: Steve Haider

Die ideal zu kombinierenden Geschmackskomponenten tragen Heidi Schröcks Weine praktischerweise bereits auf ihren Etiketten. So sehnt sich die „Spätlese 2013“ nach Schärfe und Säure. Als idealer Partner präsentieren sich hier geräucherter Wels und Hummer, Hartkäse, Fenchel und die zarte Säure von Tomaten. Auch Ingwer und Chili oder fruchtige Komponenten wie Maracuja, Marillen und Limetten harmonieren hervorragend zu diesem Süßwein. Gegrilltes Geflügel oder Crevetten herzhaft gewürzt mit Ingwer und Chili, sowie reife Honigmelonen, Orangen und Ziegenkäse schaffen die perfekte Harmonie zur zarten Blütennote der „Beerenauslese 2013“. Konzentriert und unglaublich dicht sucht der „Ruster Ausbruch 2012“ nach Seinesgleichen. Er findet sie in Lamm- und Rindfleisch, Kürbis, Ingwer und Chili, sowie in den kräftigen Käsesorten Stilton und Roquefort. Eine Besonderheit ist der „Ruster Ausbruch 2002“. Nach 13 Jahren Reife sucht er die Begleitung von gebratener Gans, würzigem Pfeffersteak, gerösteten Haselnüssen, reifen Bananen und Orangen, sowie Blauschimmelkäse.

Mein Fazit nach dieser Degustation? –  I´m so in love with you.

Fräulein Vino on Tour – Episode IV

Aus Liebe zum Burgunder

PinotNoir
Foto: Weingut Wagentristl

Als harmonischer Speisenbegleiter präsentiert er sich, der Pinot Noir 2012 vom Weingut Wagentristl. Deutlich erkennbar sind rote Beeren, sowie reife Kirschen. Abgerundet werden die fruchtigen Nuancen durch erdige Elemente. Schließt man die Augen findet man sich wieder in einem idyllischen Blätterwald. Es riecht nach feuchtem Waldboden und saftigem Moos. Zu diesem soliden Rotwein lassen ich mir eine Portion Pasta mit Pomodori Secchi, schwarzen Oliven und Artischocken schmecken. Eine herrliche Kombination. So schnell holt man sich ein wenig Urlaubsfeeling ins eigene Esszimmer in dieser düsteren Jahreszeit.

Winzer Rudi Wagentristl, Foto: Weingut Wagentristl
Winzer Rudi Wagentristl, Foto: Weingut Wagentristl

Die Burgundersorten Pinot noir, Chradonnay und Weißburgunder liegen Rudi Wagentristl besonders am Herzen. 2014 übernahm der engagierte Burgenländer das Weingut von seinen Eltern in Großhöflein. „Meine Ururgroßeltern legten damals den Grundstein für unser Weingut. Ich bin bereits die fünfte Generation“, erzählt mir der Jungwinzer. Seine Weingärten liegen an den Hängen des Leithagebirges und seinen Ausläufern. Das einzigartige Mikroklima der Region, sowie die besondere Zusammensetzung der Böden sorgen für unvergleichliches Terroir. Geerntet wird per Hand, bei der Auslese wird penibelst darauf geachtet nur das beste Traubenmaterial zu selektieren. Am Weingut Wagentristl wird naturnah gearbeitet auf unnötige Eingriffe wird verzichtet. Das Ergebnis sind ehrliche, geradlinige Weine ohne viel Schnick-Schnack. Das Ziel des leidenschaftlichen Winzers ist es Weine zu machen, die weder Sorte noch Herkunft verleugnen. „Ich bin ein Freund klarer Linien und diese verfolge ich auch bei der Kelterung meiner Weine. So entstehen Weine mit unverwechselbarem Charakter“, macht mir Rudi Wagentristl deutlich.

Download Lagen
Kreideberg, Foto: Weingut Wagentristl

Ab Hof ist der in Flaschen gefüllte Freudenspender um 7,00 Euro erhältlich. Ein Glas davon macht Lust auf mehr. Zum Beispiel auf den Lagenwein „Pinot Noir Kreideberg 2012“. Schon seit Tagen liebäugle ich mit dem verführerischen Roten. Nach meinem Besuch am Weingut Wagentristl hat er es sich auf meiner Küchenkommode gemütlich gemacht hat. Ich denke, ich werde in dieses Wochenende auf ein Date einladen.

Fräulein Vino informiert sich – Episode II

Das 1×1 der Weinevents

In den prunkvollen Räumen der Wiener Hofburg versammelte sich erneut das Who-is-Who der heimischen Winzerszene. 140 Winzer aus dem Weinviertel luden am 25. Februar zur Weinviertel DAC Jahrgangspräsentation. Verkostet wurden über 300 fruchtig, frische Grüne Veltliner mit sortentypischen „Pfefferl“. Am 02. März präsentierten sich 147 Winzer aus dem Burgenland im kaiserlichen Ambiente der Hofburg im Herzen der Wiener Innenstadt. Vertreten waren die Regionen DAC Leithaberg, DAC Mittelburgenland, DAC Eisenberg, DAC Neusiedlersee, sowie die Weinbauregionen Rust und Rosalia. Kredenzt wurde neben Weiß- und Rotwein auch Roséweine und Schaumweine.

Weinpräsentationen eignen sich hervorragend um sich einen kleinen Einblick in eine Weinregion zu verschaffen. Doch wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. Hier ein paar Tipps wie der Besuch auf einem Weinevent zum Genuss werden kann:

1. Der früher Vogel fängt den Wurm
Komm so früh wie möglich. Weinverkostungen sind so viel gemütlicher ohne Ellenbogen im Rücken und langen Wartezeiten. Ein ausführliches Gespräch mit den Winzern ist zumeist auch nur am Anfang des Events möglich.

Foto: Joachim Lukan, Wein Burgenland
Foto: Joachim Lukan, Wein Burgenland

2. Genaue Planung ist die halbe Miete
Bei mehr als 100 Ausstellern kann man schon Mal den Überblick verlieren. Verschaffen dir bereits zu Hause einen ersten Eindruck. Überlege dir einen Schwerpunkt und fokussiere dich darauf. Verkoste zum Beispiel nur eine bestimmte Rebsorte oder konzentriere dich auf DAC Weine.

3. Weniger ist oft mehr
Nimm dir Zeit, verkoste ausführlich, aber übertreibe nicht. Beim Verkosten kann man schnell den Überblick über die konsumierte Alkoholmenge verlieren. Einen Brummschädel tags drauf im Büro kann wirklich niemand brauchen.

Foto: Rauter, Wein Burgenland
Foto: Rauter, Wein Burgenland

4. Gute Adjustierung ist wichtig
Gib alle Dinge die du nicht unbedingt benötigst in der Garderobe ab. Hier sind sie gut aufgehoben und stören dich nicht bei der Degustation. Vertraue mir, es nervt wahnsinnig gleichzeitig ein Weinglas, einen Verkostungsblock inklusive Stift, eine Jacke, einen Fotoapparat und/oder eine Handtasche zwischen den Händen zu jonglieren.

Foto: Regionales Weinkommitee Weinviertel
Foto: Regionales Weinkommitee Weinviertel

5. Don´t drink and drive
Benütze öffentliche Verkehrsmittel, so kannst du die Weinverkostung ohne schlechtes Gewissen genießen.

Da man bekanntlich nie auslernt würde ich mich über nützliche Tipps eurerseits sehr freuen! Gut vorbereitet begebe ich mich morgen in das Wiener Rathaus. Wiener Winzer laden ab 15:00 Uhr zur „Wiener Gemischten Satz DAC Präsentation“.

Fräulein Vino informiert sich – Episode I

In Zusammenarbeit mit Mutter Erde Am Weingut Umathum produziert man Wein im Einklang mit der Natur. Weingärten düngt man mit Kompost, bestehend aus Resten der Traubenverarbeitung und Rinderdung. Mehr als die Hälfte des jährlichen Strombedarfs erzeugt man mit Hilfe einer Photovoltaikanlage. Regenwasser sammelt man in unterirdischen Zisternen um es als Nutzwasser zu verwenden. IMG_4794 Am Weingut Umathum versucht man jedoch auch Bewusstsein zu schaffen, neue Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, sowie zum gemeinsamen Gestalten anzuregen. „Es gibt viele die denken wie wir. Wir müssen die Dinge gemeinsam angehen, es ist Zeit etwas zu tun“, begrüßt Ariane Umathum die Gäste der Veranstaltungsreihe „Umdenken“. Bereits am Nachmittag treffen sich die ersten Interessierten zu einer Führung durch das Weingut inklusive Verkostung. Josef „Pepi“ Umathum erzählt von der Arbeit im Weingarten, den einzelnen Arbeitsschritten im Keller und beantwortet geduldig zahlreiche Fragen. Dann wird verkostet…

Winzer Josef Umathum
Winzer Josef Umathum

Knackiger Sauvignon blanc 2014 mit ausgeprägtem Aroma nach Stachelbeeren. Danach wird fruchtig, cremiger Sauvignon blanc 2010 ins Glas gegossen. „Diesen Jahrgang gibt es leider nicht mehr zu kaufen. Aber ihr könnt schon jetzt abschätzen was passiert, wenn ihr den 2014er ein paar Jahre Zeit gebt“, vertröstet er uns. Der Roséwein „Rosa“ aus Blaufränkisch, Zweigelt und St. Laurent präsentiert sich geradlinig. Am Gaumen erinnert er mich an helle frühreife Kirschen aus Omas Garten. „Jetzt verkosten wir den Wein der Häuselbauer“, kündigt der Gastgeber an und schenkt uns Blaufränkisch „Edition 1214“ ein. „Dieser Blaufränkisch wächst auf Kalkboden. Jeder der bereits auf einer Baustelle gearbeitet hat wird diesen Geschmack sofort erkennen“, scherzt Umathum. Blaufränkisch „Kirschgarten 2011“ zeigt wie Terroire den Wein beeinflusst. Schieferboden ist verantwortlich für das herrlich fruchtiges Aroma des Roten nach reifen Blutorangen. Das Highlight  erwartet uns Weinfreunde am Ende der Verkostung. „Ried Hallebühl 1989“, eine würzige Cuvée aus Blaufränkisch, Zweigelt und Cabernet Sauvignon. IMG_4805 Nach dem Nachmittagsprogramm wird in den modernen und großzügigen Veranstaltungsraum des Weinguts gebeten. Prof. Dr.phil. Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur Wien referiert zu dem Thema „Das Klima der Region“. Im Anschluss klingt der Abend bei einem Achterl Wein, regionalen Schmankerln und anregenden Gesprächen aus. Das genaue Programm der Veranstaltungsreihe „Umdenken“ finden sie hier: Programm Eventreihe  „Umdenken“ Viel Spaß beim Erkunden, Verkosten, Informieren und Austauschen.

Fräulein Vino on Tour – Episode III

Von Raketen die auf St. Laurent fliegen Georg Preisingers Weinflaschen stechen ins Auge. Raketen zieren die Etiketten, Sternbilder die Kapseln. Doch wie kam es zum futuristischen Design? Diese und noch mehr Fragen beantwortete mir der Golser Winzer und dreifache Familienvater bei einem Besuch auf seinem Weingut. Alles begann mit der geplanten Rodung eines alten Weingartens. Zu arbeitsintensiv war die Pflege der 1969 gepflanzten St. Laurent-Reben laut Georg Preisingers Taufpaten. Der junge Winzer erkannte jedoch das Potential der Reben und verhinderte die Rodung. „Ich hatte da so ein Gefühl“, erklärt der Querdenker. Der besondere Weingarten erhielt eine besondere Aufgabe. Der St. Laurent wurde zum Jahrgangswein für Levin, dem erstgeborenen Sohn von Georg Preisinger und seiner Frau Katharina. „Einer unserer besten Erträge“, scherzt der stolze Familienvater.

Georg und Katharina Preisinger (Foto: Weingut Georg Preisinger)

Ein schönes Geschenk verdient eine stilgerechte Verpackung. Auf der Suche nach der passenden Etikette wurde die Kreativität des Golser Künstlers Nikolaus Eberstaller in Anspruch genommen. Seine Idee – die Geschichte des Weingartens in den Fokus des Designs zu stellen, denn 1969 bestockte nicht nur ein burgenländischer Winzer einen Weinberg am Nordostufer des Neusiedler Sees mit St. Laurent Reben. 1969 war das Jahr der legendären Mondlandung. Der Lagenwein erhielt den klingenden Namen „SIXTY NINE“. Raketen und Sterne verschönern seit 2011 Preisingers gesamte Weinkollektion. Der Gestaltungseinfall gefiel dem Auftraggeber und seinen Kunden. 2011 wurde der Golser Künstler Nikolaus Eberstaller dafür schließlich mit dem deutschen „Red Dot Design Award“ ausgezeichnet.

SIXTY NINE (Foto: Weingut Georg Preisinger)

Nicht nur das Verpackungsdesign beeindruckt. Preisingers „SIXTY NINE“ wird von Falstaff als „einer der besten Rotweine Österreichs“ ausgezeichnet, der A la Carte Weinguide bewertete den edlen St. Laurent mit 91 Punkten. Schwarze Beeren harmonieren mit saftigen, reifen Kirschen. Feine Würzigkeit, resultierend aus gekonntem Holzeinsatz, liebäugelt mit gut eingebundenen Tanninen. Ein wahrer Gaumenschmeichler, welcher sich hervorragend als Speisenbegleiter eignet. Ab-Hof ist der außergewöhnliche Tropfen um 25,00 Euro erhältlich. Ein Preis der sich meiner Meinung nach Schluck für Schluck lohnt.

Fräulein Vino on Tour – Episode II

Ein italienischer Franzose im Burgenland

Winzer Stefan Zehetbauer (Foto: Weingut St. Zehetbauer)
Winzer Stefan Zehetbauer (Foto: Weingut St. Zehetbauer)

Stefan Zehetbauer vom gleichnamigen Weingut aus Schützen am Gebirge durfte ich im Rahmen einer Weinmesse in Wien kennen lernen. Die Weine bliebe mir im Gedächtnis, ebenso der Winzer. Ein Besuch am Weingut interessierte mich sehr, ein Termin wurde vereinbart. Vor meinem Besuch im burgenländischen Schützen recherchierte ich im Internet um mich auf das Treffen adäquat vorzubereiten. Ich verschaffte mir einen Überblick über das Sortiment des Familienweinguts und da fiel er mir auf – reinsortiger Cabernet Franc aus dem Burgenland…

Die französische Rotweinsorte Cabernet Franc stammt ursprünglich aus der bekannten Weinregion Bordeaux, dort dient sie überwiegend zum Verschneiden mit Merlot.[1] Auch in italienischen Weingärten findet sich die spät reifende Rebsorte, hier wird sie jedoch Cabernet Frank genannt. In Österreich spielt der krautig-aromatische Cabernet Franc eine untergeordnete Rolle. Lediglich 56 Hektar der gesamten österreichischen Weinbaufläche, das entspricht einem Anteil von 0,1 Prozent, wurden ihm gewidmet (Stand 2009). Genügsam wächst er selbst auf kargen Böden im Burgenland sowie in Niederösterreich. [2]

Im Burgenland wächst er beispielsweise am vom Schiefer durchzogenen Steinberg, einer Riede zwischen den Weinbaugemeinden Oggau und Schützen am Gebirge und das seit über 20 Jahren. Doch wie kommt ein burgenländischer Winzer auf die Idee Cabernet Franc auszupflanzen?  Diese Frage interessierte mich brennend und wurde bei einer gemeinsamen Degustation im gemütlichen Verkostungsraum der Familie Zehetbauer sogleich gestellt. „Alles begann mit einem Familienurlaub in Jesolo. Meine Frau und ich waren angetan von den italienischen Rotweinen, insbesondere der Cabernet Franc hat uns außerordentlich gut geschmeckt“, erzählt mir der Vater von Stefan Zehetbauer. Die ersten Reben reisten als Urlaubssouvenir mit nach Österreich und wurden ausgepflanzt,   drei Jahre später konnte das erste Mal geerntet werden. „Ich kann mich noch gut an die Jesolo Urlaube erinnern. Wir hatten kaum Platz im Auto alles war voll gestopft mit Cabernet Franc Stecklinge“, scherzt Stefan Zehetbauer. Der produzierte Wein schmeckte und gefiel, jedoch durfte er vorerst nicht verkauft werden. „Ich musste einen Versuchsweingarten anmelden, die Sorte stand damals noch nicht im Sortenregister“, erzählt Zehetbauer sen.

Riede Steinberg (Foto: Weingut St. Zehetbauer)
Riede Steinberg (Foto: Weingut St. Zehetbauer)

Heute ist der Cabernet Franc das Aushängeschild des Weinguts. Um stellvertretend nur ein paar Erfolge zu nennen: Im österreichischen Rotweinguide wurde er 2015 mit 5 von 5 Gläsern ausgezeichnet, 2014 wurde er im A la Carte-Wein-Führer mit 92 Punkten bewertet. Im österreichischen Rotweinguide ergatterte er im letzten Jahr den 1. Platz in der Kategorie „Cabernet & 5/5 Gläser Top“ und im Rahmen der Burgenländischen Weinprämierungen wurde er mit Gold geehrt. Gut Ding braucht bekanntlich Weile, so auch der Cabernet Franc von Stefan Zehetbauer. 12 Monate Lagerung im Barriquefass folgt eine 12 monatige Flaschenreifung. „So entsteht ein würziger Purist, der sehr lagerfähig ist“, schwärmt der engagierte Jungwinzer. Auffällig beim Verkosten: Würzigkeit, Mineralik und elegante Röstaromen. In die Nase steigen Nuancen von Kirschen und Cassis. Der erste Schluck erinnert mich an frisches Heu, grasige und blumige Aromen werden frei gesetzt. „Unser Cabernet Franc hat einen komplett anderen Charakter als jene aus Frankreich und Italien“, erklärt Stefan Zehetbauer stolz.

Mein erster reinsortiger Cabernet Franc aus Österreich hat mir wahrlich Freude bereitet. Die dazu passende Geschichte bescherte mir humorvollen Trinkgenuss. Meine Empfehlung? Genießen sie diesen pannonisch interpretierten Cabernet Franc zu Lamm oder Rindersteak.

Cabernet Franc Reserve, (Weingut St. Zehetbauer)
Cabernet Franc Reserve, (Weingut St. Zehetbauer)

[1] Johnson, Hugh und Robinson, Jancis: Der Weinatlas. 6. Ausgabe
[2] www.oesterreichwein.at (abgerufen am 09.02.2015)