Fräulein Vino on Tour – Episode V

Liebe auf den zweiten Blick

Shame on me! Doch bis dato konnte ich mit Süßwein nicht viel anfangen. Picksüß und klebrig hinterließen sie schlechten Eindruck bei mir. Das Thema Süßwein war für mich somit abgehakt. Doch dann lernte ich Winzerin Heidi Schröck kennen…

Bitterkalt war es, als ich im Februar dieses Jahres den malerischen Innenhof am Ruster Hauptplatz im Burgenland betrat. Heidi Schröck begrüßte mich mit einem strahlenden Lächeln und lud mich auf ein Glas köstlichen Weißburgunder in ihre gemütliche Verkostungsstube ein. Ganz bescheiden erzählte sie mir von den Anfängen ihrer beruflichen Karriere. Von ihrer Zeit als unerfahrene Praktikantin in Deutschland, ihren Erlebnissen als Weinkönigin und ihren Eindrücken, die sie auf einem Weingut in Südafrika sammeln durfte. Ich erfuhr, dass sie ihren Betrieb seit 1983 selbstständig führt, den Meister für Weinbau und Kellerwirtschaft absolvierte und sie das Jahr 1988 wohl niemals vergessen wird. Mit Unterstützung ihres Vaters hatte sie in diesem Jahr nämlich ihre erste Ernte eingefahren. Vor allem aber  hatte die Geburt ihrer Zwillinge das Jahr 1988 für die energiegeladene Winzerin unvergesslich gemacht.

Im Rahmen meiner Recherchen erfahre ich aber noch viel mehr über Heidi Schröck die sich zurückhaltend als „Weinbäuerin aus Rust“ bezeichnet. 2003 verlieh ihr „Falstaff“ den Titel „Winzer des Jahres“. Ihre Weine bewertete Robert Parker, Herausgeber des Magazins „Wine Advocate“, mit außergewöhnlich hohen Punktzahlen. Für die britische Weinkritikerin Jancis Robinson zählt sie zu den besten Winzerinnen weltweit. Ihre Süßweine findet man auf den Weinkarten der besten Restaurants von Japan über Skandinavien bis in die USA. Um nur einige Erfolge zu nennen.

heidi schröck 021 by steve haider 2014
Heidi Schröck – Weinbäuerin aus Rust, Foto: Steve Haider

Auf der „ProWein 2015“ in Düsseldorf hatte auch ich dann schließlich die Möglichkeit Heidi Schröcks Süßwein-Kollektion zu verkosten. „Mein Ziel ist es den Süßwein neu zu positionieren. Dass Süßwein gut zu Blauschimmelkäse und Desserts passt ist bereits bekannt. Doch Süßwein kann noch viel mehr, er ist ein ausgezeichneter Speisenbegleiter“, erklärt mir die sympathische Winzerin voll Enthusiasmus. Mein erster Kostschluck kombiniert mit passendem Fingerfood nimmt mich mit auf eine Reise durch Süße, Schärfe, Würzigkeit und Säure. Ich bin begeistert!

Weingut Schröck, Rust, Burgenland (A)
Süßwein-Kollektion, Foto: Steve Haider

Die ideal zu kombinierenden Geschmackskomponenten tragen Heidi Schröcks Weine praktischerweise bereits auf ihren Etiketten. So sehnt sich die „Spätlese 2013“ nach Schärfe und Säure. Als idealer Partner präsentieren sich hier geräucherter Wels und Hummer, Hartkäse, Fenchel und die zarte Säure von Tomaten. Auch Ingwer und Chili oder fruchtige Komponenten wie Maracuja, Marillen und Limetten harmonieren hervorragend zu diesem Süßwein. Gegrilltes Geflügel oder Crevetten herzhaft gewürzt mit Ingwer und Chili, sowie reife Honigmelonen, Orangen und Ziegenkäse schaffen die perfekte Harmonie zur zarten Blütennote der „Beerenauslese 2013“. Konzentriert und unglaublich dicht sucht der „Ruster Ausbruch 2012“ nach Seinesgleichen. Er findet sie in Lamm- und Rindfleisch, Kürbis, Ingwer und Chili, sowie in den kräftigen Käsesorten Stilton und Roquefort. Eine Besonderheit ist der „Ruster Ausbruch 2002“. Nach 13 Jahren Reife sucht er die Begleitung von gebratener Gans, würzigem Pfeffersteak, gerösteten Haselnüssen, reifen Bananen und Orangen, sowie Blauschimmelkäse.

Mein Fazit nach dieser Degustation? –  I´m so in love with you.

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