Fräulein Vino on Tour – Episode II

Ein italienischer Franzose im Burgenland

Winzer Stefan Zehetbauer (Foto: Weingut St. Zehetbauer)
Winzer Stefan Zehetbauer (Foto: Weingut St. Zehetbauer)

Stefan Zehetbauer vom gleichnamigen Weingut aus Schützen am Gebirge durfte ich im Rahmen einer Weinmesse in Wien kennen lernen. Die Weine bliebe mir im Gedächtnis, ebenso der Winzer. Ein Besuch am Weingut interessierte mich sehr, ein Termin wurde vereinbart. Vor meinem Besuch im burgenländischen Schützen recherchierte ich im Internet um mich auf das Treffen adäquat vorzubereiten. Ich verschaffte mir einen Überblick über das Sortiment des Familienweinguts und da fiel er mir auf – reinsortiger Cabernet Franc aus dem Burgenland…

Die französische Rotweinsorte Cabernet Franc stammt ursprünglich aus der bekannten Weinregion Bordeaux, dort dient sie überwiegend zum Verschneiden mit Merlot.[1] Auch in italienischen Weingärten findet sich die spät reifende Rebsorte, hier wird sie jedoch Cabernet Frank genannt. In Österreich spielt der krautig-aromatische Cabernet Franc eine untergeordnete Rolle. Lediglich 56 Hektar der gesamten österreichischen Weinbaufläche, das entspricht einem Anteil von 0,1 Prozent, wurden ihm gewidmet (Stand 2009). Genügsam wächst er selbst auf kargen Böden im Burgenland sowie in Niederösterreich. [2]

Im Burgenland wächst er beispielsweise am vom Schiefer durchzogenen Steinberg, einer Riede zwischen den Weinbaugemeinden Oggau und Schützen am Gebirge und das seit über 20 Jahren. Doch wie kommt ein burgenländischer Winzer auf die Idee Cabernet Franc auszupflanzen?  Diese Frage interessierte mich brennend und wurde bei einer gemeinsamen Degustation im gemütlichen Verkostungsraum der Familie Zehetbauer sogleich gestellt. „Alles begann mit einem Familienurlaub in Jesolo. Meine Frau und ich waren angetan von den italienischen Rotweinen, insbesondere der Cabernet Franc hat uns außerordentlich gut geschmeckt“, erzählt mir der Vater von Stefan Zehetbauer. Die ersten Reben reisten als Urlaubssouvenir mit nach Österreich und wurden ausgepflanzt,   drei Jahre später konnte das erste Mal geerntet werden. „Ich kann mich noch gut an die Jesolo Urlaube erinnern. Wir hatten kaum Platz im Auto alles war voll gestopft mit Cabernet Franc Stecklinge“, scherzt Stefan Zehetbauer. Der produzierte Wein schmeckte und gefiel, jedoch durfte er vorerst nicht verkauft werden. „Ich musste einen Versuchsweingarten anmelden, die Sorte stand damals noch nicht im Sortenregister“, erzählt Zehetbauer sen.

Riede Steinberg (Foto: Weingut St. Zehetbauer)
Riede Steinberg (Foto: Weingut St. Zehetbauer)

Heute ist der Cabernet Franc das Aushängeschild des Weinguts. Um stellvertretend nur ein paar Erfolge zu nennen: Im österreichischen Rotweinguide wurde er 2015 mit 5 von 5 Gläsern ausgezeichnet, 2014 wurde er im A la Carte-Wein-Führer mit 92 Punkten bewertet. Im österreichischen Rotweinguide ergatterte er im letzten Jahr den 1. Platz in der Kategorie „Cabernet & 5/5 Gläser Top“ und im Rahmen der Burgenländischen Weinprämierungen wurde er mit Gold geehrt. Gut Ding braucht bekanntlich Weile, so auch der Cabernet Franc von Stefan Zehetbauer. 12 Monate Lagerung im Barriquefass folgt eine 12 monatige Flaschenreifung. „So entsteht ein würziger Purist, der sehr lagerfähig ist“, schwärmt der engagierte Jungwinzer. Auffällig beim Verkosten: Würzigkeit, Mineralik und elegante Röstaromen. In die Nase steigen Nuancen von Kirschen und Cassis. Der erste Schluck erinnert mich an frisches Heu, grasige und blumige Aromen werden frei gesetzt. „Unser Cabernet Franc hat einen komplett anderen Charakter als jene aus Frankreich und Italien“, erklärt Stefan Zehetbauer stolz.

Mein erster reinsortiger Cabernet Franc aus Österreich hat mir wahrlich Freude bereitet. Die dazu passende Geschichte bescherte mir humorvollen Trinkgenuss. Meine Empfehlung? Genießen sie diesen pannonisch interpretierten Cabernet Franc zu Lamm oder Rindersteak.

Cabernet Franc Reserve, (Weingut St. Zehetbauer)
Cabernet Franc Reserve, (Weingut St. Zehetbauer)

[1] Johnson, Hugh und Robinson, Jancis: Der Weinatlas. 6. Ausgabe
[2] www.oesterreichwein.at (abgerufen am 09.02.2015)

3 Gedanken zu “Fräulein Vino on Tour – Episode II

  1. Liebes Fräulen Vino, (wenn ich Sie so nennen darf!)
    vielen Dank das Sie mir diese wunderbare Sorte in Erinnerung rufen!!! Wusste gar nicht das Carbernet-Franc auch im milden pannonischen Klima in so hoher Qualität gemacht wird. Ich halte diese Sorte ebenso wie Sie, für einen unterschätzten aber ziemlich guten Speisebegleiter – insbesonders zu dunklem Fleisch!
    Danke für den Tipp!

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