Fräulein Vino on Tour – Episode I

Die Rückkehr des Furmints

©MICHAELWENZEL_PORTRÄTBereits um 09:00 Uhr morgens betrete ich an diesem Donnerstag das Weingut Wenzel im burgenländischen Rust. Nebelschwaden liegen über dem Neusiedler See, die Sonne lässt auf sich warten. Michael Wenzel bittet mich mit einem freundlichen Lächeln in das Innere des jahrhundertealten Winzerhofes. Ich fühle mich sofort wohl in diesen historischen Gemäuern, die einladende Wärme tut an diesem kalten Wintermorgen ihr übriges. Wir nehmen Platz und Michael Wenzel beginnt zu erzählen. Von seiner Familie, der Geschichte des Weinguts und seiner großen Leidenschaft dem Furmint.

Zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie war Furmint eine der bedeutendsten Rebsorten Mitteleuropas und galt als die Hauptrebsorte im Ruster Gebiet, erzählt mir Michael Wenzel. Bereits sein Großvater kultivierte den Furmint in den familieneigenen Weingärten rund um den Neusiedler See. Durch die Wirren des 20. Jahrhunderts sei er aber in Vergessenheit geraten bedauert der sympathische Winzer. Die Reblaus, der Zerfall der Donaumonarchie, sowie zwei Weltkriege führten dazu, dass der Furmint langsam aber doch aus Rust verschwand. Als Michael Wenzels Vater Robert den elterlichen Betrieb übernahm war es schier unmöglich an neues Pflanzmaterial zu gelangen. Der „Eiserner Vorhang“ trennte Österreich von Ungarn, Kontakt mit ungarischen Rebschulen war nicht möglich. In den 80er Jahren wurden schließlich die letzte bestehende Furmint Anlage, welche sich im Besitz der Familie Seiler befand gerodet. ©WENZEL_FURMINTERNTE 2013Die einst beliebte Rebsorte verschwand zur Gänze aus der burgenländischen Weinbaugemeinde. Doch die Idee den Furmint wieder nach Rust zu bringen ließ Robert Wenzel nicht los erzählt sein Sohn: „Wir müssen wieder zu unseren Wurzeln zurück hat der Papa gesagt.“ Michail Gorbatschow kam an die Macht, es wurde allmählich einfacher den „Eisernen Vorhang“ zu überwinden. Im Rahmen eines Verwandtschaftsbesuches gelang es Robert Wenzel 1984 die ersten Furmint Edelreiser von Ungarn über den „Eisernen Vorhang“ nach Österreich zu bringen. Im Jahr 1985 wurde ausgepflanzt, zwei Jahre später konnte das erste Mal gelesen werden. Der Rotwein- Boom machte es Michael Wenzels Vater nicht einfach, doch er war sich sicher: „Wir setzen auf den Furmint, er ist Teil unserer Geschichte.“

 Aufenthalte in Kalifornien und Südafrika ließen schon bald auch Michael Wenzel erkennen wie wichtig es ist seine „Wurzeln“ zu schätzen und Altes zu bewahren. Bereits seit 15 Jahren widmet er dem Furmint seine volle vinophile Aufmerksamkeit. „Es ging viel Know-How verloren, dies gilt es wieder herzustellen“, betont Michael Wenzel. Seine Anstrengung und Bemühungen blieben nicht unbelohnt, erst 2014 wählte „Gault&Miliau“ den Burgenländer zum „Ausnahmewinzer des Jahres“.

©WENZEL_KLASSIKER_13Die Zeit ist wie im Fluge vergangen, der Raum geschwängert voll spannender Geschichten rund um den Furmint. Und dann ist es soweit, ein Furmint 2013 wird mir ins Glas gegossen. Würzige Aromen steigen mir in die Nase, deutlich erkennbare gelbe Früchte. Am Gaumen mineralisch, geradlinig mit feiner Säure. Zum krönenden Abschluss werde ich eingeladen Furmint Vogelsang 2013 und Furmint Garten Eden 2013 zu degustieren. Eine Beschreibung dieser edlen Tropfen erspare ich mir an dieser Stelle, da bedauerlicherweise beide Weine bereits ausverkauft sind. Nach knapp zwei Stunden verabschiede ich mich von Michael Wenzel, mit auf dem Weg bekomme ich eine Flasche Furmint Beerenauslese 2013. „Der passt besonders gut zu Gerichten mit Curry“, empfiehlt der ambitionierte Winzer. Ich bin gespannt…

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